oder der Triumph der Wahrheit. 285
Der, ſagt man, thaͤt verwegen ein Geluͤbde wagen, Die Wahrheit Jedermann in ſein Geſicht zu ſagen; Schwatzt in den Tag hinein, kennt weder Ziel noch Maaß; Wenn man den kommen ließ, das gäbe großen Spaß. Mit Eurer Majeſtaͤt Geſchmack bin ich vertraut, und weiß, daß man am Hof gern fremde Thiere ſchaut. Drum mein' ich, dieſer Verax— Sultan. Laß ihn kommen, ſtraks! Die Wahrheit iſt ja ſonſt nur ein verborgner Dachs; Laͤßt die ſich aus dem Loch in meinen Pallaſt hetzen, So iſt das Schauſpiel neu, und wird mich baß ergotzen. Doch magſt Du nur zuvor die Hoͤfling' präveniren, Daß ſie nicht allzuſehr ſich moͤgen alteriren; Denn wenn gleich alte Leut' hier auf und nieder gehn, So hat doch dies Geſpenſt noch keiner hier geſehn. Buͤckling. Wenn der unreine Geiſt voruͤberzieht mit Schrecken, Mag, was zum Hof gehoͤrt, ſo lange ſich verſtecken. Sultan. Ja ja, ſo ſei es, laß ſogleich es austrompeten; Doch, der Miniſter Juckmack ſoll zum Throne treten! Auch werde die Maitreſſe flugs herbei gerufen Zu einem wuͤrd'gen Schmuck auf meines Thrones Stufen. (Der Hofmarſchall Buͤckling empfiehlt ſich.).
Dritte Scene. Der Sultan allein. Die Krone auf dem Kopf, den Rheinwein in dem Glaſe,


