8
gnügt und ſorgenlos; kurz, dieſes Zimmer wurde von drei Studenten bewohnt.
In dieſem Augenblick ſind alle drei zu Hauſe; der eine ſitzt an dem Tiſche und ſchreibt: es iſt ein großer, junger, brauner, blaſſer Mann mit einem länglichen Geſichte, hoher Stirne und hübſchem Haarwuchſe; in ſeinen regelmäßigen, ſchönen Zügen liegt Charakter, aber er verzieht ſeine Geſichtsmuskeln allzuhäufig wegen der Exaltation, die in ſeinem jungen Kopfe
herrſcht. Es iſt Georg Rembrun, dreiundzwanzig Jahre alt, der Sohn unbemittelter Eltern, die ihn nach Paris geſchickt haben, damit er dort die Rechts⸗ wiſſenſchaft ſtudire; ſtatt deſſen ſchreibt er aber Dra⸗ men und Vaudevilles.
Der zweite Miethsmann dieſes Zimmers liegt noch auf dem langen Bette; er hat ein Buch in der Hand und ſcheint zu ſtudiren. Es iſt ein ziemlich hübſcher Junge, obgleich ſeine blonden Haare etwas in's Röthliche ſtechen, denn ſeine blaßblauen Augen, ſeine roſigen Wangen und ſein kleiner lachender Mund haben etwas Kindliches, welches auf den erſten An⸗ blick gefällt; allein ſo wie man dieſes Geſicht einmal geſehen hat, ſieht man es ſtets wieder: er hat eine unerſchütterliche Phyſiognomie, die immer denſelben Ausdruck hat, oder vielmehr eine ausdrucksloſe.
Dieſer junge Mann heißt Timotheus Glindors; er iſt erſt achtzehn Jahre alt und aus der Champagne gebürtig. Seine Eltern haben einiges Vermögen, aber ſein Vater iſt ein alter Landmann, der es nicht zu⸗ gibt, daß ſein Sohn tolle Streiche in Paris macht.


