Teil eines Werkes 
2. Th. (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

—

44——

Jetzt weißt Du alle meine Abenteuer, mein lieber Sansſouci. Von denen, die ich beim Regiment erlebt habe und de ren Zeuge Du warſt, ſpreche ich nicht weiter. Sie ſind übrigens bei allen Braven gleich; Liebſchaften, Schlachten, Händel, Verſöhnung, gutes Leben, Hunger, Siege, Rückzüge, dies iſt ja immer der Inhalt der Lebensgeſchichte eines Soldaten. Jahre vergingen; ich hatte meine Famillie nicht vergeſſen; aber ich geſtehe es, ich wollte nur in einem höheren Grade vor ihr erſcheinen; ich hatte Ausſicht zum Avancement, ſchon ward mein Herz freudiger über dies Ehrenkreuz!... Da nahmen die Ereigniſſe plötzlich eine andere Wendung. Als ich aus dem Felde zurückkehrte, dachte ich, meine Eltern würden ſich an einem ehrlichen und braven Soldaten nicht ſchämen, und ſuchte ſie in Paris auf, erfuhr aber ihren Tod!... Dieſer Schlag war furchtbar, aber der kalte Empfang, der gemeſſene und verächtliche Ton meines Bruders erbitterte vollends mein Herz!... Es iſt abgemacht, Sansſouci, er ſoll mich nicht wieder ſehen, der Un⸗ dankbare, niemals ſoll er von mir wieder hören. So endigte Jakob ſeine Erzählung und eine Thräne

befeuchtete bei den letzten Worten ſeine Wange; ſie

floß ſeinem Bruder, den er, trotz ſeines Benehmens gegen ihn, dennoch liebte. Es fing an dunkel zu werden; Jakobs Erzählung

hatte lange gedauert, und Sansſouci hatte mit ſolcher—

Aufmerkſamkeit zugehört, daß er es nicht bemerkt

hatte, wie die Mittagszeit längſt vorüber war. Aber

als ſein Kamerad geendigt hatte, ſprang er auf, Paul de Kock. XX. 4