189
dreißig Jahre nicht in Stockholm geweſen war, und gänz⸗ lich vergeſſen hatte, wo dieſe Arche Noah, das Bergſtral'ſche Haus, lag.
„Mein Gott,“ rief der Baron mit aufbrauſendem Zorn,„ich glaube, Ihr habt Euch alle vorgenommen, mitten im Thore ſitzen zu bleiben und Euch angaffen zu laſſen, damit man morgen von nichts Anderem ſprechen ſoll, als wie der Baron von& und ſeine Familie auf der Straße geſehen und nicht gewußt haben wo ein und wo aus. Iſt es möglich, daß Du, mein lieber Talqviſt— fuhr er etwas ſanftmüthiger fort— daß Du vergeſſen kbonnteſt, wo das Bergſtral'ſche Haus liegt? Weißt Su, vo das königliche Schloß liegt? Weißt Du, wo der Bla⸗ ſiholm iſt, der Kungsholm, wo...“
Der Baron war jetzt wirklich in einen katechetiſchen Eifer gerathen und hätte gewiß auf die gleiche Art alle merkwürdigen Plätze der ſiebenholmigen Hauptſtadt aufge⸗ führt, ohne eine einzige Antwort, ein Ja oder Nein von Talgviſt abzuwarten, wäre nicht die Gnädige, welche ihrem Gatten gewiß während ihres ganzen Eheſtandes nicht drei⸗ mal in die Rede gefallen, langſam jetzt mit der Frage hervorgerückt, ob es nicht beſſer wäre, Talagpiſt geradezu zu ſagen, wo das Bergſtral'ſche Haus liege und ihn erſt dort darüber zu vernehmen, was er von der Lokalität der Hauptſtadt vergeſſen habe oder noch wiſſe.
In dieſen Worten lag nicht ein Funke von Bosheit; aber Corona fand ſie ſo luſtig, daß ſie von Neuem in ein vergnügtes Lachen ausbrach, während der Baron ſeinem Diener mit Händen und Füßen, lang und breit, nicht blos die Lage des Bergſtral'ſchen Hauſes beſchrieb, ſondern auch alles Andere, was auf dem Wege dahin vorkam, wie auch Vieles, was ſich auf dem Wege nicht vorfand.
Nachdem man volle drei Viertelſtunden im Thore ge⸗ ſeſſen, wurde die Maſchine wieder in Gang geſetzt und wäre nicht bereits die tiefſte Novemberdämmerung einge⸗ treten geweſen, welche vom Monde beleuchtet werden ſollte, obſchon dieſer auf ein Hinderniß geſtoßen war, ſo hätte


