Teil eines Werkes 
1.-3. Bdchn (1847)
Entstehung
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Ein Franuenherz.

(Bruchſtück aus den Aufteichnungen eines Frauenzimmers.)

Eine Sterbliche, welche ihr boͤſes Geſchick zur Tante geboren werden ließ, darf noch von Glück ſagen, wenn ſie einen jungen Neffen beſitzt, von welchem ſie geliebt, geſchätzt und geehrt wird, deſſen Vertrauen und Freundſchaft ſie beſitzt, der ſich in ihrer Geſellſchaft gefällt und dieſelbe manchmal ſogar mit Hintanſetzung froͤhlicher, junger Mäd⸗ chen ſucht, der ſie in ſchwermüthigen Stimmungen aufrichtet, während die ganze heitere Welt offen vor ihm liegt; einen Neffen, der ſich das Alles nicht verdrießen läßt, obſchon er mit Beſtimmtheit weiß, daß er von ſeiner Tante keinen Heller erben wird, und daß ſie ſeine Treue ſchlechterdings nicht mit klingenden Mitteln zu belohnen vermag. Einen ſolchen Muſterneffen beſitze ich denn ich erzähle von mir ſelbſt; er iſt jung, aber weder eingebildet noch eigenliebig noch ſuperklug; er beſitzt eine bedeutende innere und viel wiſſenſchaftliche Bildung, die er täglich noch zu mehren beſtrebt iſt, ohne daß es ihm je einſiele, im Mindeſten damit groß zu thun; er huldigt den Ideen der Neuzeit, iſt fein und ſchlau, vereinigt aber mit dieſen Eigenſchaften ein altmodiſch warmes Herz und alt vererbte Begriffe von Recht und Unrecht, von Ehre und Schande; er iſt fleißig und arbeitſam, ohne ſich ein geſchäftig wichtiges Anſehen

zu geben; er iſt ein hubſcher Burſche, trägt ſich ſchön

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