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Wiederum ſtand ſie ſtill, ſchweigend, ſtarr und unbeweglich über den Körper gebeugt. Niemand wagte ſie zu ſtoͤren, bis die Mutter des erſchlagenen Jünglings mit den Frauen ihres Hauſes herbeikam, um in gränzenloſem Schmerz ihren Verluſt zu beklagen. Ihr Jammern und Wehklagen erfüllte die Luft.
„Mein Sohn! mein Sohn!“ ſchrie die unglückliche Mutter,„warum wurdeſt Du mir entriſſen? Hätte nicht irgend ein älterer Krieger dem Feinde genügt? Warum wurdeſt Du in der Blüthe Deiner Jugend getödtet? Weh! Weh! Weh! Warſt Du deßhalb als der verwegenſte,
tapferſte und ſchönſte Jüngling bekannt? Ich ſoll nicht
mehr Dein heiteres Lachen durch die Wälder ſchallen hören, nie mehr Deine kräftige Figur, Dein Roß auf der grünen Wieſe herumtummeln ſehen. Mein Sohn, mein Sohn! Fluch auf die Feinde, welche Dich erſchla⸗ gen haben! Mögen ſie gleich mir ihrer Kinder beraubt werden. Können ſie mir einen anderen Sohn geben, der Dir gleicht? Tragt ihn weiter,“ rief ſie den Dienern zu,„tragt meinen Sohn in meine Wohnung, daß ich üͤber ihn weinen kann. Weh! Weh!“
Die Diener des Hadji brachten die Tragbahre an den befohlenen Ort; die Frauen führten Zara, die einer Wohnfinnigen glich; ihre Augen ſtarrten auf die Bahre; ſie gieng in einem maſchienenartigen Gange wei⸗ ter, ohne ein Wort zu ſprechen. Ihr Schmerz war zu tief für Worte oder Geſchrei. Ihr Herz war nicht gebrochen, es war von ſtarker Beſchaffenheit, obgleich es zart und ſanft ſchien und Niemand— am wenigſten ſie ſelbſt— es dafür gehalten hätte.
Wir wiſſen nicht von welcher Beſchaffenheit wir ſind, bis wir erprobt wurden. Sie hätte gedacht, ſie könne keinen Tropfen Blutes ſehen, oder nicht den kleinſten Unfall ertragen, ohne unter dem Streiche zu erliegen; aber nun leider! kannte ſie ſich ſelbſt. Ihr Herz war in einem Augenblicke verſengt und verbrannt; wie der Reiſende in einem Augenblicke durch den Hauch des gif⸗


