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aung hielt; die Eingezogenheit, in welcher ſie, dieſes aͤußern Wohlſtandes ungeachtet, ſichern Berichten nach lebt; ſelbſt ihr heller, oft Be⸗ wunderung erregender Verſtand, bey welchem ſie die Niedrigkeit einer Buhlerinn, auch unter den glaͤnzendſten Verhaͤltniſſen, unmoͤglich uͤber⸗ ſehen koͤnnte, buͤrgt mir fuͤr die Wahrheit dieſer Behauptung, und— wetten wir einen Cottai⸗ ſchen Goͤthel— die Leſewelt bekommt noch fruͤher oder ſpaͤter von ihnen, mein ſchwerglau⸗
biger Freund, eine deutſche Fanchon zu Geſicht?“*
d— 4. Das Viſittenbillet.
Ich habe, wie Figura zeiget, die Wette be⸗ zahlen muͤſſen; mag denn die Fortſetzung bewaͤh⸗ ren, ob ich den Verluſt mit guter oder uͤbler Laune ertrug. Ohne die leiſeſte Ahndung hiervon, ſchlug ich damahls herzhaft ein, und forderte den von ſeiner Lobrede faſt erſchoͤpften Erzaͤhler auf, voon Fanchon's geruͤhmten Talenten auch mir Un⸗
geweihten ein Proͤbchen mitzutheilen.
„Das wird leicht ſeyn!“— fuhr er gefaßt fort—„Sie muͤſſen wiſſen, dieſe Fanchon, die
ſie eine Ciree zu nennen beliebten, verdient eher
den Nahmen einer Sibylle oder Muſe! Denn nicht bloß ihre Huldgoͤttinngeſtalt, nicht bloß ihre geiſt⸗


