Teil eines Werkes 
7.-11. Bdchen (1853)
Entstehung
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an Kate. Die Gegenwart löſchte die Vergangenheit aus und abſorbirte die Zukunft. Familienliebe mag nicht das Romantiſche und Geheimnißvolle der Leiden⸗ ſchaft haben, welche eine Seele und ein Herz aus zwei ſich bisher fremden Weſen macht; aber es ruht eine tiefere Zärtlichkeit, eine heiligere Reinheit in ihr. Die Liebe ſaß jetzt mit uns am Tiſche und am Kamine; etwas Unbekanntes weilte in der Zwielichtſtunde im Schatten des Zimmers, und Morgens und Abends um⸗ ſchwebte uns ein reizendes Weſen, auf jedem Gartenpfad, in jeder Laube.

Kate ließ uns einige Tage verträumen, dann weckte ſie uns plötzlich eines Abends und ſagte ruhig:Cor⸗ nelius, wann willſt Du an Mr. Thornton ſchreiben?

Cornelius ſtutzte und wurde ein wenig blaß; mir fiel die Arbeit aus der Hand, und ich ſank in meinen Stuhl zurück. Er ſchien zerſtreut und mit Kate hadern zu wollen, daß ſie einen ſo unwillkommenen Gegenſtand erwähnt hatte.

Unſinn! ſagte ſie heiter,ſiehſt Du nicht, daß Alles abgemacht iſt?

Wir ſahen ſie an, ſie lächelte freundlich.

Du haſt an ihn geſchrieben? ſagte Cornelius ängſtlich.

Ich habe ihn heute geſehen. Du brauchſt Deine Augen nicht ſo aufzureißen. Wozu ſind Eiſenbahnen und Schnellzüge? Warum ſollte ich nicht via Thornton nach Leigh, um Rock⸗Cottage einzuſehen? Denn ich hoffe, Du wirſt nicht der thörichten Gewohnheit der Londoner Stadtkinder folgen, Dir Deinen Honigmonat mit Hotels und langen Rechnungen zu verderben. Ich werde den Eindruck nicht vergeſſen, den es auf mich machte, als Mr. Foſter zu ſeiner Frau ſagte, mit der er gereist war:Erinnerſt Du Dich, meine Liebe, wie man uns im Hotel des Etrangers betrog?Ja, meine Liebe, verſetzte ſie,aber es war noch zw

eimal ſo ſchlimm im