Erſtes Kapitel.
Als ich dieſen Abend unter der Veranda ſaß, erhob ſich ein Herbſtwind, der durch die Bäume des Gartens ſtrich und in einem leiſen Gemurmel erſtarb. Ein ſelt⸗ ſamer Schauer durchbebte mich: die Gegenwart und die Umgebung ſchwanden vor meinem Blicke: ich ſah nicht mehr die engen, aber vielgeliebten Grenzen meiner ſtillen Heimath; der kleine Garten, der ſo ruhig und grau in dem thauigen Zwielichte dalag, war nun ein weites, wo⸗ gendes Meer; das leiſe Raſcheln der Blätter glich dem „Rauſchen der zurücktretenden Fluth; der düſtre Horizont erſchien wie ein Lichtſtreifen, der die Waſſerwüſte von den ernſten Tiefen der endloſen Wolken trennt, und ich, nicht mehr die Frau, die in ihrer Heimath, im Bereich der großen Stadt lebt, ſondern ein müßiges, träumeri⸗ ſches Kind, lag in dem grasbewachſenen Winkel am Ende unſeres Gartens, von wo ich die Schiffe in der Ferne beobachtete, oder meinen Blick über die Sandbänke und Felſen hinſchweifen ließ. 4 Ein Augenblick löſchte Jahre aus und meine Kind⸗ heit mit ihrer Heimath, ihren Freuden, ihren Leiden, zog an meinem Blick wie ein Ding von geſtern vorüber, MNock Cottage, wie mein Vater es genaunt, erhob ſich auf einem einſamen Felſen, der in die See hinaus⸗ ſah. Es war ein einfaches Landhaus mit weißge⸗ ünchten Mauern, grünen Läden und niederem Dache Saſy Burns. 1. 1 5
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