Menge Thränen habe ich auf dieſem kleinen Platze hier vergießen ſehen und wie bald waren ſie wieder vertrock⸗ net, wie Regen im Sonnenſchein. Ich beſinne mich noch, wie eine junge Dame hierher kam, welche die Londoner Aerzte des Wechſels der Luft wegen hierher ſchickten, nachdem ſie ſie wahrſcheinlich erſt mit ihren Arzeneien vergiftet hatten. Ein wunderhübſches Kind war es und ſchien auch gar nicht krank zu ſein, ſondern huſtete blos ein wenig. Ihre Mutter kam auch mit und dann Ihr Liebhaber, der mit ihr getraut werden ſollte, ſobald ſie wieder geſund wäre. Aber nach Ver⸗ lauf von ſechs Monaten ſtarb ſie— dort liegt ſie dicht zu Eurer Linken— und ihr Liebhaber, war der nicht ganz außer ſich? Und als wir ſie ruhig in ihr ſtilles Grab hineingebettet hatten, ſagte er zu mir:„Ich werde ihr bald nachfolgen, Todtengräber, hebt mir den Platz da neben ihr auf— da habt Ihr auch eine Guinee.“ Ich wartete aber fünf Jahre lang umſonſt auf ihn und dann ſah ich ihn plötzlich in einer vierſpän⸗ nigen Chaiſe auf der Straße vorbeifahren und eine ſchöne Dame ſaß neben ihm und ſie waren Beide mun⸗ ter und fidel wie die Haidelerchen.“
„Nun, Ihr wollt doch nicht, daß der Menſch ſein ganzes Leben lang jammern ſoll?“ ſagte der Andere. „Wie alt ſeid Ihr, Todtengräber?“.
„Am letzten Januar acht und ſechzig geweſen,“ ant⸗


