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Rache : Novelle / von G. P. R. James
Entstehung
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ſuche ſeinen gewohnten Troſt in Büchern. Er kannte, wie alle Aerzte, die verſchiedenen launiſchen Auskunftsmittel, zu denen das Herz in Augenblicken großer Betrübniß ſeine Zu⸗ flucht nimmt die Bagatellen, mit denen ſich Manche un⸗ ter ſolchen Umſtänden beſchäftigen die tiefe Abſtraktion, um welche Andere ſich bemühen die Einbildungen, die Viſionen, die Träume, zu denen wieder Andere ſich flüchten, nicht um Troſt oder Beruhigung zu holen, ſondern nur um dem einen finſtern, vorherrſchenden Gedanken zu entrinnen. Mr. Short ſprach einige freundliche Worte gewöhnliche Gemeinplätze zu Sir Philipp, und der Baronet ſchaute auf und betrachtete ihn über die Kerzen hinüber, welche auf dem Bibliothektiſche ſtanden.

Wäre Mr. Short's Aufmerkſamkeit vornämlich auf Sir Philipps' Geſicht gerichtet geweſen, ſo würde er ſogleich bemerkt haben, daß ſeine Augenſterne ſonderbar und unna⸗ türlich zuſammengezogen waren, und daß von Zeit zu Zeit ein gewiſſes nervöſes Zucken der Muskeln um ſeine Lippen und auf ſeiner Wange ſpielte. Aber er bemerkte dieſe Er⸗ ſcheinungen nicht: er ſah blos, daß Sir Philipp las und daß er ſeine Faſſung wieder gewonnen hatte, und er meinte, was bei anderen Menſchen ſonderbar wäre, ſey bei ihm nicht auf⸗ fallend. Was er für die Haupturſache von Sir Philipps Kummer hielt den Tod ſeiner Gattin fand er beſſer, gar nicht zu berühren; aber er dachte ſich, ein Vater würde begierig ſeyn, unter ſolchen Umſtänden etwas über das Be⸗ finden einer Tochter zu hören, und er erzählte ihm alſo, daß Emily beſſer und ruhiger geworden.