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eine zahlreiche Geſellſchaft von Perſonen, jede in ihrer Weiſe
liebenswürdig und ehrenwerth, unter einem Dache verſammelt.
Sir Harry Jarvis ſelbſt war zwar noch etwas ſchwach, zeigte ſich aber voll Freundlichkeit und Frohſinn und ſorgte, ſo gut ſeine Gebrechlichkeit es geſtattete, für die Behaglich⸗ keit ſeiner Gäſte. Käthchen war diesmal nicht blos äußerlich fröhlich, denn ſie kannte keine Verſtellung; die Anſtrengung dehnte ſich weiter als blos über Lippe und Stirne, und ſie
zwang ihr Herz, ſeine finſteren Erinnerungen und noch
ſchwärzeren Ahnungen von ſich zu werfen und an dem Froh⸗ ſinn ihrer Freunde Theil zu nehmen.
Der Mittagstiſch verſtrich ſehr munter; Sir Charles Chevenix war voll guter Laune und munterer Einfälle. Oberſt Brandrum erzählte manche Aneldoten aus dem india⸗ niſchen Krieg und verſicherte, wenn ſein gebrochenes Bein ihn
nicht zum Dienſte untauglich machte, ſo würde er ſich als
heißhungrige Krähe maskiren und zur Feier von Reginalds Vermählung den Kriegstanz aufführen. Lady Chevenix war jetzt ganz entzückt von ihrem Schwiegerſohne und voller Güte und Artigkeit; ſie begriff zwar Oberſt Brandrums Charak⸗ ter nicht im Mindeſten, erklärte ihn aber dennoch für höch⸗ lich amüſant. Louiſe, immer noch die bleiche, ſchwächliche Louiſe, fühlte ihr ſanftes Herz über ihres Bruders Glück vor Freude jubeln; Käthchen und Mary ſchauten ſich in die Au⸗ gen, und ſo oft ein trüber Gedanke kam, ſuchten ſie ihn eilig zu verbannen.
Von Exceſſen war an des alten Baronets Tiſche nicht die Rede, und ſobald Brandrum und Sir Charles ihre ge⸗


