290
mit ihm zu dem Paſcha von Akalzike reiſen. Deß⸗ wegen beſorgt befahl ich einem meiner Kapuziner, die Reiſe nach Mingrelien portzuſetzen, und zog mit meinem andern Reiſegefaͤhrten nach Chioaris, welches acht Meilen von Cotatis entfernt iſt. Den 5. luden der Biſchof und die Prinzeſſin von Cotatis uns zur Tafel. Dieſes wird hier fuͤr keine große Gnade gehalten, weil die geringſten Untertha⸗ nen, ja ihre Diener ſelbſt, mit ihnen zu ſpeiſen pfle⸗ gen. Die Koͤnigin war ſehr ſchoͤn, aber ihre Geberden und Stellungen ſehr uͤppig und unverſchaͤmt, ihre Reden unverſchaͤmt und unzuͤchtig. Ihr Biſchof Ja⸗ natelle ſah ſie oft mit ſehr unkeuſchen Blicken an. Dieſes Betragen der Vornehmſten iſt in dieſem Lande
gar nicht aͤrgerlich, weil alles, groß und klein, der
Wohlluſt und der Ueppigkeit ergeben iſt.
Den 42. ſah ich den Koͤnig; er war ein junger, ſchoͤner Mann, ſein Geſicht oben mit einem Tuche be⸗ deckt, um das Graͤuliche ſeiner ausgeſtochenen Augen zu verbergen. Er war ſehr luſtig, und ſcherzte mit dem Kapuziner, daß er ihn verheirathen wolle. Auf die entgegengeſtellte Verbindlichkeit ſeines Geluͤbdes antwortete der Koͤnig: jeder unſerer Biſchoͤfe hat neun Weiber, die Frauen unſerer Nachbarn abgerechnet.
Als der abgeſchickte Bruder mit der Haͤlfte mei⸗ ner verborgenen Schaͤtze nach Cotatis gekommen war, ſo trat mein entlaſſener Diener mit 20 Janit⸗ ſcharen in das Zimmer, ſchrie ſehr tobend: wo iſt


