281
angelegten Feſtungswerke, als auch in Hinſicht der geringen Anzahl der waffenfaͤhigen Vertheidiger, ſehr ſchwach war. Der Feind errichtete auf mehreren Or⸗ ten Batterien, und beſchoß die Stadt unausgeſetzt. Das Kommando in der Stadt hatten Giovanni Bondulmiere, Ludooico Calbo und Paolo Erizzi. Letzterer, deſſen Funktion als Vogt eben zu Ende war, verzoͤgerte bloß ſeine Abreiſe wegen der Gefahr, in welcher die Inſel ſich befand. Vier allge⸗ meine Stuͤrme wurden von den Belagerten muthig abgeſchlagen, und der Feind verlor dabei 4000 Mann. Nichts deſto weniger ſetzte derſelbe die Belagerung noch einen ganzen Monat fort, und bedraͤngte die Stadt, ſo⸗ wohl zu Waſſer als zu Land, außerordentlich. Neben⸗ bei ſuchte der Feind auch ſich der Stadt durch Verrath zu bemeiſtern; allein ſein Anſchlag wurde durch ein unſchuldiges junges Maͤdchen entdeckt. Dieſes fand naͤmlich einen Brief, aus welchem das Einverſtaͤndniß eines gewiſſen Tomaſſo Schiavo mit dem Feinde, zur Ueberlieferung der Stadt, hervor ging. Der Ver⸗ raͤther wurde hierauf von Luigi Delfini auf oͤffent⸗ lichem Markte ermordet und fuͤr ſein Bubenſtuͤck be⸗ ſtraft. Indeſſen wurden die Belagerten immer mehr in die Enge getrieben. Zwar eilte der General Ca⸗ nale mit 14 Fahrzeugen und 2 Galeeren zur Huͤlfe der bedraͤngten Stadt herbei, der Feind verſperrte ihm aber den Weg. Mehr durch Hunger, als durch erhaltene Wunden ermattet, verließ die Mannſchaft, welche das


