Teil eines Werkes 
2. Bdchn (1824)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

22

2

thronen ſchien. Auf ihren Wangen ſtrahlte das friſche Roth der Geſundheit und Jugend, und von ihren blauen Augen die Zufriedenheit eines gluͤcklichen Herzens. Wer ſie anſah, konnte die Blicke nicht wieder abwenden. Die Klienten

des Hauſes, der Prokurator, der Landrichter,

und vor Allen der Kaplan, kruͤmmten ſich ſchweigend vor der Tochter ihres Goͤnners und ihren Reizen; die alten Landjunker aber ſuchten aus dem Arſenal ihrer Galanterie Alles zu⸗ ſammen, was in den fernen Tagen ihrer Ju⸗ gend fuͤr liebenswuͤrdig und witzig gegolten hatte. Roſalie antwortete Allen mit anmuthi⸗ ger Freundlichkeit, indem ſie ihre Blicke bis⸗ weilen uͤber die zunaͤchſt Stehenden auf La Sery gleiten ließ, der etwas ferner nur ſie ſah, und mit froher Ueberraſchung den Strauß, der ihren Buſen ſchmuͤckte, fuͤr denſelben er⸗ kannte, den er ihr am Morgen in die Hand gelegt hatte. Sein Herz ſtroͤmte von Entzuͤcken und Dankbarkeit uͤber; aber nur aus beredten Blicken ergoß ſich ſein Gefuͤhl. Sein Mund war in der Menge ſtumm. Ein Himmel von Seligkeit war uͤber ihm ausgeſpannt; und die⸗