der in die Familie gebracht. Sie war in der That eine ſo gute Seele als nur je eine in der Cockloft Familie gelebt hatte— eine Dame von unbegraͤnzter Herzensgute, die ſich auf Maͤnner, Frauen und Kinder ausdehnt; der letztern haͤtte ſie einige durch ihre Gutmuͤthigkeit faſt umgebracht. War irgend ein Bekanntes krank— der Wind pfiff verge⸗ bens, der Sturm heulte umſonſt— Miß Charity watſchelte durch Koth und Sumpf⸗ die ganze Stadt hindurch, um den Krankenbeſuch zu machen. Mit der geduldigſten Ausdauer ſaß ſie Stunden lang da und erzaͤhlte die melancholiſcheſten Geſchichten von menſchlichem Elend, um die arme Kranken zu ermuthigen. Alle Mittel gegen Zahnweh wußte ſie an den Fingern herzuzaͤhlen. Wehe dem Ungluͤcklichen, der un⸗ ter die mildreiche Hand meiner Baſe Charity kam: er konnte ſicher ſeyn, daß er mit oder gegen ſeinen Willen, ganze Suͤndfluthen von Decocten bekam; mein Vetter Chri⸗
ſtopher trug manchmal ſeine Schmerzen ſchweigend, damit
er des Martyrthums ihrer materia medica uͤberhoben bleibe. Meine gute Baſe hatte uͤberdies noch eine bedeutende Ge⸗ ſchicklichkeit in der Aſtronomie; ſie wußte genau, wann die Sonne an jedem Tag des Jahrs auf und unterging;— keine Frau in der Welt konnte mit mehr Gewißheit ſagen, in welcher Minute der Mond wechſelte. Sie hielt die Ge⸗
ſchichte, daß der Mond aus gruͤnem Kaͤſe gemacht ſey, fuͤr
eine abſcheuliche Verlaͤumdung ihres Lieblingsplaneten.
Aber die Wahrheit darf nicht verſchwiegen bleiben; bei allen ihren guten Eigenſchaften hatte Miß Charity einen bei dem weiblichen Geſchlecht ſehr ſeltnen Fehler— der war


