Meine Baſe Charity ſchied aus dieſem Leben im neun und fuͤnfzigſten Jahr ihres Alters, obgleich ſie nach ihrem fuͤnf und dreißigſten nicht aͤlter geworden war. In ihrer Jugend war ſie— ihren eigenen Nachrichten zufolge— eine beruͤhmte Schoͤnheit, obgleich ich nie Jemanden gefun⸗ den, der ſich erinnert haͤtte, wann ſie ſchoͤn war; im Gegen⸗ theil, Will's Vater, der ihr in ſeiner Jugend den Hof ge⸗ macht, behauptet, ſie ſey eines der knorrigſten Stuͤcke Menſchheit geweſen, die ihm je vorgekommen, und daß,
wenn ſie einiges Gefuͤhl gehabt haͤtte, ſo wuͤrde ſie gewiß
über ihre Figur und ihr Geſicht toll geworden ſeyn, als ſie zum erſtenmal in einen Spiegel ſah. In der guten alten Zeit, welche meine Tante in der Bluͤthe der Jugend ſahen, war eine ſchoͤne Dame ein furchtbares Thier dem man mit derſelben Ehrfurcht und Ergebenheit nahte, die der Tartar in Gegenwart ſeines großen Lama's empfindet. Wenn ihr ein Herr die Hand bot— er haͤtte ſie denn in den Wa⸗ gen heben wollen oder ſie in das Geſellſchaftszimmer ge⸗ fuͤhrt— welches Zuͤrnen, welches Rauſchen von Brokat und Tafft! Selbſt die falſchen Edelſteine auf ihren Schuhſchnal⸗ len glaͤnzten vor Unwillen und nahmen fuͤr einen Augenblick den Glanz des Diamanten an! In jenen Tagen war die Perſon einer Schoͤnen geheiligt— ſie war von der gottes⸗ ſchaͤnderiſchen Hand des Fremden nicht entweiht— einfache
Seelen!— ſie kannten den Walzer noch nicht!
Meine gute Baſe ruͤhmte ſich, dieſe ſproͤde, juͤngferliche Zartheit aufrecht zu erhalten; wenn ſie einmal das altmo⸗ diſche Pfaͤnderſpiel ſpielte und zu einem Kuß verdammt


