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Der Freischulze : eine Erzählung / von Moriz Horn
Entstehung
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Vicerichter geworden war, geſtattet, ſich einen Schlüſſel zum Schrank und zum Archiv machen zu laſſen, damit er recht ungenirt in den alten Urkunden und Pergamenten ſtudiren könne. Ja, der verſtorbene Herr hatte Herrn Chriſtian zu lieb, als daß er dem hätte eine Bitte abſchla⸗ gen ſollen, die er ſonſt gewiß Jedem verſagt haben würde. Machte er doch damals Herrn Chriſtian zum Vicerichter, obgleich derſelbe erſt neunzehn Jahre alt war.

Und wo ſind die Schlüſſel jetzt?

Vermuthlich noch in Herrn Chriſtian's Händen, wenn er ſie nicht zurückgegeben hat.

Ich habe ſie weder zurückerhalten, noch zurückge⸗ fordert; wußte ich doch von ihrer Exiſtenz kein Wort.

Die Wittwe wechſelte mit dem Cantor einen Blick, der ſagen wollte, in uns erhebt ſich eine Ahnung, die ſich nicht in Wahrheit umwandeln möge; der Gerichtshalter aber ging nachdenkend auf und nieder, indem er leiſe vor ſich hinſprach:

Sonderbar, ein Meſſer, welches der Frau Georg's gehört, findet ſich im Archiv, Chriſtian iſt noch im Beſitz von Schlüſſeln, das echte Teſtament verſchwunden, der Schrank unverletzt. Wer hat ein Intereſſe gehabt, daß der vom Vater errichtete letzte Wille abhanden kam? Georg? Gertrud? Nein! aber Chriſtian?

Wann ſaht Ihr, fragte er ſchnell den Caſtellan, Chriſtian zum letzten Mal und wo?