„Iſt Hoffnung da?“ fragte Samuel angſtlich.
„Mehr, als das,“ erwiederte der Arzt beruhigend. „Der Kranke wird ſicher geneſen, wenn es ihm nicht an Pflege mangelt!“ G
„Ich werde ihn pflegen! Ich geh' nicht von der Stelle, eh' er nicht geſund iſt!« ſagte Samuel ent⸗ ſchloſſen.„Aber hier kann er nicht bleiben; die Stadt iſt voll von Kranken,— kann ich ihn nicht nach Frank⸗ furt bringen in mein Haus?«
„Mit der nöͤthigen Vorſicht, ja,“ ſagte der Arzt, und ohne Zögern wurden Anſtalten getroffen, den Ver⸗ wundeten mit der äußerſten Sorgfalt nach Frankfurt zu ſchaffen. Alles ging gut von Statten, und zur Freude Samuels beſtätigten ſich ſpäter die Vorausſa⸗ gungen des Hanauer Arztes, welcher völlige Geneſung verſprochen hatte. Sechs Wochen nachher konnte Ro⸗ mieu wieder das Bett verlaſſen, und erholte ſich nun vollends im Kreiſe der Familie Samuels, welche ihn voll Liebe umringte und jedem ſeiner Wünſche zuvor⸗ zukommen ſuchte. Als die erſten Veilchen blühten, war er geſund, und in warmen Worten ſprach er beim Geneſungsfeſte, das Samuel ihm zu Ehren veranſtal⸗ tete, ſeine Dankbarkeit für alle Liebe aus, die ihm im Hauſe ſeines alten Freundes zu Theil geworden war. Samuel aber wies lächelnd alle dieſe Aeußerungen zurück. 3 „Wozu rechnen unter Freunden?“ ſagte er.„Es gibt Wirkungen und Wechſelwirkungen im Leben. Wer gut handelt, dem ergeht es gut. Wem verdank' ich mein Glück? Deinem Beiſtande, Romieu! Hätteſt du mir nicht geholfen in Paris, hätt' ich dir nicht helfen können in Hanau!“ 1
.


