63
beſchützte. Bei Tage war ihm die Kälte weniger em⸗ pfindlich, denn unausgeſetzte Bewegung erhielt ihn warm genug, und nebenbei auch fortwährend geſund.
Uly hatte ſich nun ſchon mit dem Gedanken ver⸗ traut gemacht, daß er jedenfalls den ganzen Winter über in ſeiner Gefangenſchaft werde ausharren müſſen, als ſich ihm ganz unerwartet eine neue Ausſicht auf bal⸗ dige Erlöſung eröffnete. Er war eines Morgens da⸗ mit beſchäftigt, ſein gewöhnliches Vriihſtin, einen Strei⸗ fen Gemſenfleiſch, zu verzehren, als er einen dumpfen Knall vernahm, der ihn bis in das innerſte Herz hin⸗ ein erſchütterte. Bei dem geübten Waidmanne konnte kein Zweifel darüber obwalten, daß der gehörte Knall von einer Büchſe herrührte, welche in geringer Entfer⸗ nung von ſeiner Schlucht auf dem Gletſcherfelde abge⸗ feuert ſein mußte. Einige Augenblicke ſtockte ihm der Athem vor freudigem Schrecken; dann aber griff er haſtig nach ſeinem eigenen Gewehre, lud es, und feuerte es, die Mündung nach Oben gerichtet, ab.
Eine Minute oder zwei, die Uly vorkamen, wie
Ohre auf jedes Geräuſch lauſchte. Dann vernahm er den Schall einer laut rufenden Stimme, und jauchzte aus voller Bruſt fröhlich auf. Noch einmal lud er mit vor Erregung zitternder Hand ſein Gewehr, und feuerte zum zweiten Male ab. Jetzt dauerte es nur noch penige Augenblicke, und hoch oben am Rande der ” Schlucht wurde die Geſtalt eines Mannes ſichtbar, der ſch in die Tiefe hinunter beugte. »Halloh!« ſchrie er mit kräftiger Stimme hinab,— viſt hier Jemand, der der Hülfe bedarf?« „Ich bin es! Ich!« rief lli irendeanchiehd iu
Ewigkeiten, verſtrichen, während er mit geſpanntem


