hob ſich raſch von ihrer Lagerſtätte. Ein Blick durch das Fenſter auf die Straße belehrte ſie, daß das Schnee⸗ geſtöber aufgehört hatte. Auch der Sturm ſchien nach⸗ gelaſſen zu haben, denn die Straßenlaternen ſchwankten nicht mehr ſo haſtig, wie in der vergangenen Nacht, an ihren eiſernen Ketten hin und her. Gleichwohl war das Wetter immer noch trübe und der Himmel ſo von dichten Dünſten überzogen, daß kein einziger Sonnen⸗ ſtrahl ſie zu durchdringen vermochte.
Dennoch übte das freundliche Licht des Tages einen beruhigenden Einfluß auf die Frau Elsbeth aus. Sie wies jede Beſorgniß, daß ihrem Mann ein Unglück zu⸗ geſtoßen ſein konne, beharrlich von ſich, und ſuchte und fand in ihren gewöhnlichen Morgen⸗Beſchäftigungen ein Mittel, ſich zu zerſtrruen. Während ſie das Feuer im Ofen anmachte, und einen Topf mit Waſſer beiſetzte, um den Morgen⸗Kaffee für ſich und ihren Sohn zu kochen, rechnete ſie aus, daß ihr Mann wahrſcheinlich um ſechs Uhr früh ſeine Wanderung von Waldheim an⸗ getreten habe, und alſo um acht Uhr etwa ankommen werde. Jetzt war es ſieben Uhr,— demnach nur noch eine Stunde, und alle Noth und Sorge mußte dann zu Ende ſein.
Sie kochte den Kaffee, und weckte ihren Sohn, der
um acht Uhr in die Schule gehen mußte. Bald kam er, völlig angekleidet, in das Wohnzimmer, und machte ein verwundertes Geſicht, als er den Vater nicht ſah, der nur äußerſt ſelten beim Frühſtücke zu fehlen pflegte. „Er wird ſchon kommen, Wilhelm,“ ſagte die Mut⸗
ter mit erzwungener Ruhe und als ob ſie ſelbſt ganz feſt von dieſer Thatſache überzeugt ſei.»Er iſt in


