354
»Es iſt meiner Treue wahr,“ erwiederte der Indianer. »Ich war ganz in Schweiß, und dieſes Waſſer, das aus den Gebirgen kommt, iſt ſo eiſig, daß ich ſehr leicht eine Bruſtent— zündung hätte davontragen können.“
3 Der Student blickte voll treuherzigem Erſtaunen den Mann an, der unerſchrocken genug war, um zu meinen, daß die einzige Gefahr, welche ihn während ſeines Kampfes in dem Waſſer mit einem wüthenden Thiere bedrohte, eine Bruſtent⸗ zündung wäre.* 4
»Wer ſind Sie denn?« rief er aus.
»Der Tigrero des Don Mariano Silva. Aber wo iſt Ihr Pferd?«
»Die Gewäſſer werden es fortgeführt haben; aber ich habe gute Gründe, es nicht zu bedauern.“
»„Ich ſage nicht daſſelbe von meiner Büchſe, einer vor⸗
trefflichen Waffe. Sie werden begreifen, daß man ſie nicht ſo auf dem Grunde des Waſſers laſſen kann, und mit Ihrer Erlaubniß, Her⸗ Student, jetzt, wo ich nicht mehr im Schweiß bin. Indem er dieſe Worte ſagte, legte der Tigrero ſeine Kleider ab, und als er das letzte davon abgelegt hatte, er⸗ forſchte er voll Aufmerkſamkeit den Ort, wo die Pirogue ge⸗ ſcheitert war, und bat den Neger, bis dorthin zu rudern. Als Klara einige Ruderſchläge in der angemeſſenen Richtung gege⸗ ben hatte, ſprang der Indianer mit dem Kopfe voran, und ver⸗ ſchwand von Neuem unter dem Waſſer.
Ein Zeitraum, den die beiden Zuſchauer ungeheuer lang fanden, verfloß, bevor der Indianer ſich wieder zeigte. Das Sprudeln des Waſſers über ihm bewies allein, daß er ſich einer thätigen Aufſuchung ſeiner umvergleiehlichen Büchſe hin⸗


