Druckschrift 
Aus allen Welttheilen : Scenen und Bilder zur Unterhaltung und Belehrung für die reifere Jugend / hrsg. von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

23

Gatten, uns entfernt hätten, und war uns mit ergriffener Fackel nachgeſtürzt, Gefahr wie Gewinn mit uns zu theilen.

Mein ganzer Muth entſank mir, als ich ſie erkannte, als ich in drei Worten erfuhr, was ihre Abſicht ſei. Leiſe beſchwor ich ſie, ſich zurückzuziehen, und uns nicht Herz und Arm durch ihre Gegenwart zu lähmen.Iſt's nicht genug, rief ich, daß wir für ſein Leben zu zittern haben, ſollen wir auch noch ein zweites, eben ſo theures dem Untergange preisgeben?

O, meines für das ſeinige! war ihre feſte Antwort. Oder ſollen meine Hände im Schooße ruhen, wenn fremde ſich zu ſeiner Erlöſung waffnen? Soll ich nichts thun für ihn? Soll ich ihn als ein Geſchenk aus euren Händen em⸗ pfangen, ohne auch nur einmal verſucht zu haben, ihm Beiſtand zu leiſten?«

Ich bewunderte ſtill dieß treue, edle Herz; allein indem ich ungern ſeinem Ungeſtüm nachgab, gegen den mir die Waffen fehlten, konnt' ich gleichwohl nicht umhin, im voraus die ganze Frucht unſeres Unternehmens für vereitelt zu halten. Es wäre Raſerei geweſen, ſie mit uns bis zu dem Punkte vorzuführen, bis wohin wir bei unſerem früheren Auszuge uns hatten wagen dürfen. Die Anaconda ſchien uns unruhiger als zuvor; ohne Zweifel hatten unſere Fußtritte und unſer Flüſtern uns ihr bereits verrathen. Indeß ſtießen wir doch unſere Flammen⸗ brände, die wir in beiden Händen trugen, raſch hervor, und ſparten auch unſere hohlen Stimmen nicht, die ſchauerlich durch die öde Stille wiederklangen.

Ein knatterndes Rauſchen durch die Palmenwipfel, wie wenn Zweig bei Zweig gewaltſam zerknickt würde, war die

Antwort auf unſere dreiſte Herausforderung. Die Anaconda

ich laſſ' es unentſchieden, ob in Furcht oder in Zorn ge⸗ ſetzt? war es, die ſich in fürchterlichen Bogenſprüngen durch