194 Neuntes Kapitel.
durchaus nicht ausgeſchloſſen und in dieſem Falle mußte Siemann, wie er nun einmal des Stiefſohns Charakter zu kennen glaubte und wie es ihm obendrein auch ſein eigenes Gewiſſen vorhalten mochte, auf einen ernſten Angriff von Seiten des Mißhandelten gefaßt ſein. Die Gefahr nahm mit den Jahren nicht ab. Im Gegentheil erwuchs ihm ein Gegner im eigenen Hauſe: in der Pfarrerin regte ſich all⸗ mälig nicht nur die Mutterliebe wieder, ſondern auch das Gefühl ihres Unrechts, und es war gar nicht abzuſehen, was hieraus entſtehen könnte, wenn Detlef bei ſeiner endlichen Rückkehr ſich dieſen Vortheil mit mehr Klugheit als früher zu Nutzen machte.
Daß Siemann auf Alles gefaßt war und durch die Verzögerung der Rückkehr nicht in Sicherheit gewiegt wurde, ließ ſich aus der Thatſache ſchließen, daß die Anzeige, welche Detlef's Entdeckung und Verhaftung zur Folge hatte, nach⸗ weisbar durch ihn vermittelt wurde. Und wie groß ſein Haß oder ſeine Furcht, bewies die andere, daß er für die Einbringung des von neuem Entflohenen, wie wir erfuhren, unter der Hand ein Fanggeld ausſetzte. Wer vermag zu ſagen, ob nicht endlich ſogar die Brandſtiftung hiermit in Verbindung ſtand? Daß dieſelbe ſchon länger beabſichtigt war, erſchien bekanntlich glaublich; daß ſie bisher verſchoben worden, mochte mancherlei Gründe haben. Aber es war im⸗ merhin bemerkenswerth, daß das anſcheinend kaum nöthige, ungewöhnlich vorſichtige Ausräumen des Hauſes angeordnet wurde, nachdem Siemann am Morgen durch den Gensdar⸗


