Teil eines Werkes 
3. Bd. (1869)
Entstehung
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197 Aber wenn ihm auch das Schweigen der wenigen übrigen Bekannten am Ende erklärlich war, welche nach der feigen Sitte der Welt vor jeder Berührung der Wunde zurückſcheuten, wo ſie nicht gar mit jener mit Schadenfreude und ſcheinheiliger Selbſtgenügſamkeit gemiſchten Neugierde, der wir in ähnlichen Fällen wohl auch ſonſt treue und wackere Menſchen unterliegen ſehen, auf die weitere Entwickelung und geſteigerten Skandal warteten; wenn er auch ebenſo das Verſchwinden und Verſtummen Charlottens ſelber gelten laſſen mußte, da der Vater es zum mindeſten vorausgeſagt hatte, doch wohl auf Gründe geſtützt, die, obſchon ſie dem Geiſtlichen bisher noch verborgen waren, in dieſem Fall am Ende zwingend und entſcheidend ſein konnten: daß auch Henriette ſchwieg, daß von dem beleidigten Gatten noch immer keine Zeile anlangte, daß die ſo nahe betheiligten Verwandten in der Reſidenz weder im Guten noch im Böſen etwas von ſich hören ließen, das wurde dem treuen Manne täglich räthſelhafter und ſelbſt für ſein Herz und ſeinen Kopf zu einer täg⸗ lich ſich erneuenden, faſt nicht mehr zu ertragenden Qual, ja wie zu einer Art von Vorzeichen eines neuen, furchtbaren Unglücks. Und es kam dahin, daß ſelbſt er ſich erbeben fühlte, ſobald er die Poſttaſche er⸗ blickte, und daß er zitternd den Inhalt herauslangte,