211
lautes Ach! beim Anblick der jugendlichen Braut. Kein Blick bleibt an dem langen, ihre zarten Formen umſchlie⸗ ßenden ſeidenen Brautgewande haften, nur das blendend ſchöne Antlitz will man ſehen— und was für ein Auge mag das ſein, das unter den langen Wimpern zu Boden blickt!
In einem entfernten Winkel der Kirche ſtand ein ge⸗ beugter, ältlich ausſehender Mann, der keinen Blick von der Braut wegwandte. Seine Augen waren feucht. Als der Pfarrer den Namen Laura Marinelli nannte, ſchüttelte er mißbilligend den Kopf und verbeſſerte, leiſe murmelnd: „Laura Braag.“
Welch ein Augenblick, als Froſt an dieſem Tage, mit ſeiner jungen Gemahlin durch die Gemächer wandelnd, die Beide von heute an nicht wieder verlaſſen werden, ange⸗ ſichts der hier aufbewahrten heiligen Erinnerungen aus einer früheren ſchönen Zeit,— die Gefährtin an ſein Herz drückte und, Wange an Wange gelehnt, nichts zu ſagen vermochte, als:„Du biſt mein Weib!“
Lange Zeit ſtanden Beide in inniger Umarmung, da richtete ſich Froſt empor und blickte ſeiner Laura ernſt in das ſchöne Auge..
„Was haſt Du, Paul?“ frug ſie.
„Ich denke daran, daß ich Dich einſt verſchmäht habe, daß ich dieſes Auge, das mich ſo liebend anblickt, einſt


