Teil eines Werkes 
2. Bd. (1868)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

anſehe und mich im Stillen frage, welche Stunde der mir zugemeſſenen Zeit er wohl jetzt in ſeiner Seele ſchlagen hört, da kommt mir's vor, als wären ſeine ruhigen Züge die falſchgeſtellten Zeiger einer Uhr, deren inneres Picken meiner Todesſtunde näher iſt, als ich glaube.“

Dieſe und ähnliche düſtere Betrachtungen ſtanden mit des Onkels wahrer Anſicht von ſeiner Lebensdauer im grellſten Widerſpruche, und er ſchrieb ſie nur deshalb nieder, weil er wußte, daß Arthur ihn in ſeinem Antworſchreiben des Gegentheils verſichern werde.

An einem kalten Winterabende ging der alte Herr im Wartezimmer des Bahnhofs auf und ab. Er war, um ſich vor der Zugluft zu ſchützen, in einen mächtigen Pelz gehüllt, deſſen hoher, emporgeſchlagener Kragen dort aufhörte, wo die Pelzmütze begann, und nahm ſich in dieſer Umhüllung ſo abenteuerlich aus, daß ein kleiner furchtſamer Knabe auf den Augenblick wartete, wo das Ungethüm den Stock, auf den es ſich ſtützte, quer über die pelzigen Schultern legen und mit eingehängten Armen ſich nach Bärenart im Kreiſe drehen oder wohl gar auf einen Stuhl ſteigen und mit ſeinen zottigen Tatzen das Gas zudrehen würde, um ſich dann im Finſtern über das Zuckerwerk herzumachen, das auf dem Büffettiſche unter großen Glasglocken aufgeſchichtet war.