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ſogar das Oberhaupt ihres Staates amputirt, iſt freylich entſetzlich, und man weiß nicht, ob man ſie deßhalb des Vatermords oder des Selbſtmords beſchuldigen ſoll; aber bey milde⸗ rungsgründlicher Betrachtung finden wir, daß Ludwig von Frankreich minder ein Opfer der Leidenſchaften als vielmehr der Begebenheiten geworden, und daß diejenigen Leute, die das Volk zu ſolchem Opfer drängten und die ſelbſt, zu allen Zeiten, in weit reichlicherem Maaße, Fürſtenblut vergoſſen haben, nicht als laute Kläger auftreten ſollten. Nur zwey Könige, beyde vielmehr Könige des Adels als des Vol⸗ kes, hat das Volk geopfert, nicht in Friedens⸗ zeit, nicht niedriger Intereſſen wegen, ſondern in äußerſter Kriegsbedrängniß, als es ſich von ihnen verrathen ſah, und während es ſeines eignen Blutes am wenigſten ſchonte; aber gewiß mehr als tauſend Fürſten fielen meuchlings, und
der Habſucht oder frivoler Intereſſen wegen, IV. 21


