3⁰⁵
Staunend, und ſeltſam geblendet, betracht' ich
Das luftige Phanteon,
Die feyerlich ſtummen, graunhaft bewegten Rieſengeſtalten.
Der dort iſt Kronion, der Himmelskönig, Schneeweiß ſind die Locken des Haupts,
Die berühmten, olymposerſchütternden Locken, Er hält in der Hand den erloſchenen Blitz, In ſeinem Geſichte liegt Unglück und Gram, Und doch noch immereder alte Stolz. Das waren beſſere Zeiten, o Zeus,
Als du dich himmliſch ergötzteſt,
An Knaben und Nymphen und Hekatomben! Doch auch die Götter regieren nicht ewig, Die jungen verdrängen die alten,
Wie du einſt ſelber den greiſen Vater
Und deine Titanen⸗Oehme verdrängt haſt, Jupiter Parricida!
Auch dich erkenn' ich, ſtolze Hexe!
Trotz all deiner eiferſüchtigen Angſt,
Heine's Reiſebilder. I. 20


