163
„Auch Ihr Kind?“
„Wie Sie ſofort ſehen werden, ja.“
„Ich ſehe bereits, aber bitte doch zu bedenken—“
„In ſolchem Fall gilt kein Bedenken. Binnen einer Viertelſtunde iſt mein mißrathener Sohn eine Leichel“
Die Damen fuhren mit lautem Schrei empor, der Commerzienrath aber ſah nur im erſten Moment ver⸗ dutzt aus, dann machte er kleine Augen und lächelte „Vergebung, Herr Baron, wovon und von wem ſprechen wir eigentlich?“
„Nun, wovon? Von der Ehrenſchuld meines Sohnes an den Ihrigen.“
„Dann erlauben Sie mir zu bemerken, daß ich von dieſer Affaire nicht das Geringſte weiß. Wir beide haben einander durchaus mißverſtanden.“
Fritz, den der ſchreckliche Lakonismus ſeines Vaters in Angſtſchweiß badete, wagte zum erſten Mal den Kopf zu erheben. Das Antlitz der Baroneſſe aber leuchtete auf, denn die Erklärung des Commerzienraths gab ihr den Glauben an Guſtav's Edelmuth wieder,
ſie war eine Ehren⸗ und Liebesrettung. 11


