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boren auf ſeinem einſamen Herrenſitz und erzogen von einem rechtſchaffenen und tüchtigen Hofmeiſter. Mein Zutrauen zu dieſem, mir ewig unvergeßlichen Manne, deſſen Geſellſchaft mir intereſſanter war als jede andere, die einſame Lage des Ortes, und andere zufällige Um⸗ ſtände waren die Urſache, daß ich aufwuchs, ohne mit meinen Altersgenoſſen Umgang gehabt zu haben, und nicht mehr von der Welt kannte, als das Gut meines Vaters und die wenigen Familien, die uns ab und zu beſuchten, unter denen ſich jedoch kein einziges intereſſan⸗ tes Weſen befand. Die Luſt, in die Welt hinaus zu wandern, erwachte inzwiſchen bei mir, namentlich als ein BVekter aus der Hauptſtadt, ein junger, witziger, gebil⸗ deter Weltmann, zu deſſen Vollkommenheiten ich meine Augen mit Bewunderung erhob, ſich einige Zeit bei mir aufgehalten. Mein Vater fügte ſich meinen Wünſchen und geſtattete mir, in Geſellſchaft des jungen Mannes, eine Reiſe in Deutſchland zu machen; jedoch erſt, als ich nach Verfluß von einem Jahre zurück gekommen und mündig geworden, entſprach er dem Wunſche, den ich lange gehegt, in den Militärdienſt treten zu dürfen, und ich war ſo glücklich, Lieutnant bei einem Regimente in der be⸗ nachbarten Stadt zu werden. Im Verlauf der Zeit, die ich in dieſer neuen Stellung unter meinen Kameraden verlebte, wurde ich indeß oft von dem Gefühle ergriffen, daß meine Natur mehr für ein reflectirendes, als in den Gang der Ereigniſſe raſch eingreifendes, handelndes Leben geſchaffen ſei. Ich konnte mich nie ganz von der Neigung zu Ideen losreißen, die nicht in das tägliche Leben paſſen wollten. Aus alle dem wurde ich ploͤtzlich auf die ſchrecklichſte Weiſe geriſſen, nämlich durch den plötzlichen Tod meiner Mutter. Ich erhielt, auf Anſuchen meines Vaters, die Erlaubniß, den ganzen Winter bei ihm zu⸗ zubringen, aber nur ſehr kurz konnte ich die Sohnespflicht erfüllen, ihn in unſerer gemeinſchaftlichen Trauer zu trö⸗ ſten. Er folgte ſeiner treuen Frau nach Verlauf von


