Teil eines Werkes 
3. Bd. (1866)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

301

baden ſehen, glaubet Ihr, ſeine reiche, glühende Phantaſte hätte ihm nicht noch lockendere Bilder, reizendere Wendungen einhauchen können, als einem Clauren? Doch, er dachte an ſich, er dachte an die hohe, reine Jungfrau, für die er ſeine Geſänge dichtete, er dachte an ſeinen unbefleckten Ruhm bei Mit⸗ und Nachwelt, und ſiehe, die reichen Locken fallen herab und ſtrömen um die Nymphen und rollen in das Waſſer, und der See verhüllt ihre Glieder. Aber, si parva licet componere magnis, was ſoll man zu jener ſkandalöſen Geſchichte ſagen, die H. Clauren in einem früheren Jahrgang des Freimüthigen, eines Blattes, das in ſo manchem häuslichen Zirkel einheimiſch iſt, erzählt?

Rechne man es nicht uns zur Schuld, wenn wir Schänd⸗ lichkeiten aufdecken, die Jahre lang gedruckt zu leſen ſind. Eine junge Dame kommt eines Tages auf Claurens Zimmer. Sie klagt ihm nach einigen Vorreden, daß ſie zwar ſeit vierzehn Tagen verheirathet, und glücklich verheirathet, aber durch einen kleinen Ehebruch von einer Krankheit angeſteckt worden ſei, die ihr Mann nicht ahnen dürfe. H. Clauren erzählt uns, daß er der engelſchönen Dame geſagt, ſie ſei nicht zu heilen, wenn ſte ihm nicht den Grad der Krankheit et caetera zeige. Die Dame entſchließt ſich zu der Procedur. Ich dächte, das Bis⸗ herige iſt ſo ziemlich der höchſte Grad der Schändlichkeit, zum mindeſten ein hoher Grad von Frechheit, dergleichen in einem belle⸗ triſtiſchen Blatte zur Sprache zu bringen. Eine Dame, glück⸗ lich verheirathet, ſeit vierzehn Tagen ein glückliches Weib und Ehebrecherin! Aber nein! Der Faun hat hieran nicht genug; er ladet uns zu der Procedur ſelbſt ein; er rückt den Seſſel ans Fenſter, er ſetzt die Dame in Poſitur, er beſchreibt uns von der Zehenſpitze aufwärts ſeine Beobachtungen!!!

Ich wiederhole es, man kann von einem ſolchen Frevel nur zu ſprechen wagen, wenn er offenkundig geworden iſt, wenn man die Abſicht hat, ihn zu rügen. Warum in einem öffentlichen Blatte etwas erzählen, was man in guter Geſellſchaft nicht erwähnen darf? Aber das iſt H. Clauren, der geliebte, ver⸗