Teil eines Werkes 
16. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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ſich Doktor Calmus. Er niſtet ſich bei allen großen Herren ein und wenn ihn Einer einmal einen Eſel ge⸗ heißen hat, ſo meint er ſchon, er ſei ſein beſter Freund.

Mit dem Herzog muß er aber nicht gut ſtehen, bemerkte der ſchlaue Herr;denn er hat doch läſterlich über ihn geſchimpft.

Ja, mit Herrn Ulerich ſteht er freilich nicht gut; das ging aber ſo: der Herzog hatte einen ſchönen däni⸗ ſchen Jagdhund, der hatte ſich im Schönbuch einen Dorn tief in die Pfote getreten. Den Herzog dauerte der Hund; er forſchte nach einem geſchickten Mann, der das Thier heilen könnte, und zufällig war der Kahlmäu⸗ ſer da und bot ſich mit wichtigem Geſicht dazu an. Er bekam im Schloß in Stuttgart alle Tage gut zu eſſen und eine Maß Wein; das ſchmeckte ihm nun ſo gut, daß er über ein Vierteljahr an der Hundspfote dokterte. Da ließ ihn eines Tages der Herzog ſammt dem Hund rufen und fragte, was er ausgerichtet habe. Er ſoll viel gelehrtes Zeug geſchwatzt haben, doch der Herr hat nicht darauf geachtet, ſondern die Pfote ſelbſt un⸗ terſucht, und da fand es ſich, daß ſie ſchon ganz ſchwarz und brandig war. Da nahm der Herzog den Kahl⸗ mäuſer, ſo lang er war, trug ihn an die lange Treppe, auf der man bis in den zweiten Stock hinaufreiten kann, und warf ihn hinunter, daß er halb todt unten ankam. Und ſeit ver Zeit iſt ver Doktor Calmus nicht gut auf den Herzog zu ſprechen. Andere ſagen auch, er ſei der Kundſchafter geweſen, zwiſchen dem Hutten und Frau Sabina, und habe nur deßwegen den Hund übernom⸗ men, weil er dadurch ins Schloß kam.