Teil eines Werkes 
15. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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Stuhles zurück, ſteckte die langen Finger in die De⸗ genkuppel, ſtreckte die Beine um einige Zoll länger aus und ſprach:Ja, ja, ihr Leute, dort ſieht es arg aus; alle Ortſchaften in der Nachbarſchaft ſind in großem Schaden, denn die Obſtbäume ſind alle abge⸗ hauen, man ſchießt mit aller Macht auf Stadt und Schloß, und die Stadt hat ſich ſchon ergeben; im Schloß liegen vierzig Ritter, aber ſte können die paar Mänuerlein nicht mehr lange halten!

Was? Ein paar Mänerlein? rief der fette Herr und ſetzte ſeine Kanne klirrend auf den Tiſch.Wer je das Schloß von Tübingen geſehen hat, kann nicht von ein paar Mäuerlein reden. Hat es nicht auf den Seiten, wo es an den Berg ſtößt, zwei tiefe Graben, daß die Bündler mit keiner Leiter hinauf können, und Mauern zwoͤlf Schuh dick, und Thürme, aus welchen ſie ihre Feldſchlangen nicht übel ſpielen laſſen.

Umgeſchoſſen, umgeſchoſſen! rief der lange Mann mit ſo gräulich hohler Stimme, daß die erſchrockenen Bürger die Thürme von Tübingen krachen zu hören glaubten;den neuen Thurm, den der Ulerich neulich aufbaute, hat der Frondsberg umgeſchoſſen, wie wenn er nie dageſtanden wäre.*

Aber damit iſt noch nicht Alles bin,⸗ antw der Zerlumpte.Die Ritter machen Ausfälle au Schloß und haben ſchon Manchen auf dem Wörth am

Sattker II.§. 9. Hierüber iſt vorzüalich zu vergkeichen Friedr⸗ Stumphardt Chron.§. 3. Die Geſchichte der Herren von Frondsberg. Frankſurt a. M. 2. Buch und Thetinger Com⸗ mentarius de Würt, reb. gest. Lib. II.