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herab hing, gaben ihm ein wildes, kühnes Ausſehen. Als der Reiter ungefähr auf fünfzig Schritt dem Vor⸗ trab der Karavane nahe war, ſprengte er ſein Pferd an und war in wenigen Augenblicken an der Spitze des Zuges angelangt. Es war ein ſo ungewöhnliches Ereigniß, einen einzelnen Reiter durch die Wüſte zie⸗ hen zu ſehen, daß die Wächter des Zuges, einen Über⸗ fall befürchtend, ihm ihre Lanzen entgegenſtreckten. „Was wollt Ihr?“ rief der Reiter, als er ſich ſo krie⸗ geriſch empfangen ſah.„Glaubt Ihr, ein einzelner Mann werde Eure Karavane angreifen?“ Beſchämt ſchwangen die Wächter ihre Lanzen wieder auf, ihr Anführer aber ritt an den Fremden heran und fragte nach ſeinem Begehr.„Wer iſt der Herr der Kara⸗ vane?“ fragte der Reiter.„Sie gehört nicht einem Herrn,“ antwortete der Gefragte,„ſondern es ſind mehre Kaufleute, die von Mecca in ihre Heimath zie⸗ hen und die wir durch die Wüſte geleiten, weil oft allerlei Geſindel die Reiſenden beunruhigt.“„So führt mich zu den Kaufleuten,“ begehrte der Fremde.„Das kann jetzt nicht geſchehen,“ antwortete der Führer, „weil wir ohne Aufenthalt weiter ziehen müſſen, und die Kaufleute wenigſtens eine Viertelſtunde weiter hinten ſind; wollt Ihr aber mit mir weiter reiten, bis wir lagern, um Mittagsruhe zu halten, ſo werde ich Eurem Wunſche willfahren.“ Der Fremde ſagte hier⸗ auf nichts; er zog eine lange Pfeife, die er am Sat⸗ tel feſtgebunden hatte, hervor, und fing an, in großen Zügen zu rauchen, indem er neben dem Anführer des
Vortrabs weiter ritt. Dieſer wußte nicht, was er aus.


