185 Neunzehntes Kapitel. Geſchichte des deutſchen Stutzers.
„Als mein Großvater, der kaiſerlich⸗königlich—
„Ich bitte Sie, mein Herr,“ unterbrach ihn der Incroyable,„verſchonen Sie uns mit dem Großpapa, und fangen Sie gleich bei Ihrem Vater an: was war er?“
„Nun ja, wenn es Ihnen ſo lieber iſt, aber ich hätte mich gerne bei dem Glanz unſerer Familie länger verweilt; mein Vater lebte in Dresden auf einem ziem⸗ lich großen Fuß—“
„Was war er denn, der Herr Papa? Sie verzeihen, wenn ich etwas zu neugierig erſcheine, aber zu einer Ge⸗ ſchichte gehört Genauigkeit.“
„Mein Vater,“ fuhr der Stutzer etwas mißmuthig fort,„war Kleiderfabrikant en gros—“
„Wie,“ fragte der Lord,„was iſt Kleiderfabri⸗ kant? Kann man in Deutſchland Kleider in Fabriken machen?“
„Hol mich der Teufel, wie er ſchon gethan!“ rief
der Stutzer unwillig, und ſtieß das Glas auf den Tiſch;
„das iſt nicht die Art, wie man ſeine Biographie er⸗ zählen kann, wenn man alle Augenblicke von kritiſchen Unterſuchungen unterbrochen wird; mein Vater hatte ein Haus am Alt⸗Markt, darin hatte er ein Atelier und hielt Arbeiter, welche Kleider für die Leute machten!“
„Mon dieu! alſo war er, was wir Tailleur nen⸗ nen, ein Schneider?“


