Teil eines Werkes 
6. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

7³

Ernſten Blickes trat der Sekundant meines Geg⸗ ners herein und bot mir in deſſen Namen Verſöhnung an. Ich ging zu dem Verwundeten, dem man gerade

mit Nadel und Faden ſeine Wunde zunähte, und ver⸗ ſöhnte mich mit ihm.

„Ich bin Ihnen Dank ſchuldig,“ ſagte er zu mir, „daß Sie mich ſo gezeichnet haben. Ich wurde, ganz gegen meinen Willen, gezwungen, Theologie zu ſtudi⸗ ren. Mein Vater iſt Landpfarrer, meine Mutter eine fromme Frau, die ihren Sohn gerne einmal im Chor⸗ rock ſehen mochte. Sie haben mit einemmal ent⸗ ſchieden, denn mit einer Schmarre vom Ohr bis zum Mund, darf ich keine Kanzel mehr beſteigen.“

Die Burſchen ſahen theilnehmend auf den wackern Theolgen, der wohl mit geheimer Wehmuth an den Schmerz des alten Paſtors, an den Jammer der from⸗ men Mama denken mochte, wenn die Nachricht von dieſem Unfall anlangte. Ich aber hielt es für das größte Glück des Jünglings, durch eine ſo kurze Ope⸗ ration der Welt wieder geſchenkt zu ſein. Ich fragte ihn, was er jetzt anzufangen gedenke, und er geſtand offen, daß der Stand eines Cavalleriſten oder eines Schau⸗ ſpielers ihn von jeher am meiſten angezogen hätte.

Ich hätte ihm um den Hals fallen mögen für die⸗ ſen vernünftigen Gedanken, denn gerade unter dieſen beiden Ständen zähle ich die meiſten Freunde und An⸗ hänger. Ich rieth ihm daher aufs Ernſtlichſte, dem Trieb der Natur zu folgen, indem ich ihm die beſten Empfehlungsbriefe an bedeutende Generale und an die vorzüglichſten Bühnen verſprach.