Teil eines Werkes 
6. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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man ſah, wie er dem Unſrigen an die Zimmerthüre entgegen ging.

Unſer Wirth, die zehn Kellner waren alle bleich von Entſetzen und zitterten.Meine Herren, ſagte Jener,Gott ſei dem armen Haſentreffer gnädig, denn einer von Beiden war der Leibhaftige. Wir lachten den Wirth aus und wollten uns ſelbſt bereden, daß es ein Scherz von Barighi ſei, aber der Wirth verſicherte, es habe Niemand in das Haus gehen kön⸗ nen, außer mit den überaus künſtlichen Schlüſſeln des Raths; Barighi ſei zehn Minuten, ehe das Gräßliche geſchehen, noch an der Tafel geſeſſen, wie hätte er denn in ſo kurzer Zeit die täuſchende Maske anziehen können, auch vorausgeſetzt, er hätte ſich das fremde Haus zu öffnen gewußt. Die Beiden ſeien aber einan⸗ der ſo gräulich ähnlich geweſen, daß er, ein zwanzig⸗ jähriger Nachbar, den echten nicht hätte unterſcheiden können.Aber um Gotteswillen, meine Herren, hören Sie nicht das gräßliche Geſchrei da drüben?

Wir ſprangen ans Fenſter, ſchreckliche trauervolle Stimmen tönten aus dem öden Hauſe herüber, einige⸗ mal war es uns, als ſähen wir unſern alten Oberju⸗ ſtizrath, verfolgt von ſeinem Ebenbild im Schlafrock, am Fenſter vorbeijagen. Plötzlich aber war alles ſtill.

Wir ſahen einander an; der Beherzteſte machte den Vorſchlag, hinüber zu gehen; Alle ſtimmten über⸗ ein. Man zog über die Straße, die große Hausglocke an des Alten Haus tönte dreimal, aber es wollte ſich Niemand hören laſſen, da fing uns an zu grauen; wir ſchickten nach der Polizei und dem Schloſſer, man