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17 ben, der uns ſeit einigen Tagen ſo trefflich unterhält. Dies wäre übrigens gerade nichts Uebernatürliches; aber hören Sie weiter: Zwei Tage ſchon hatte uns Herr Barighi, ſo nannte ſich der Fremde, durch ſeine geiſt⸗ reiche Unterhaltung die Tafel gewürzt, als uns einmal der Wirth des Gaſthofs unterbrach:„„Meine Herren,““ ſagte der Höfliche,„„bereiten Sie ſich auf eine köſtliche Unterhaltung, die Ihnen morgen zu Theil werden wird, vor; der Herr Oberjuſtizrath Haſentreffer zog heute aus und zieht morgen ein.“*
„Wir fragten, was dies zu bedeuten habe, und ein alter grauer Hauptmann, der ſchon ſeit vielen Jahren den oberſten Platz in dieſem Gaſthofe behauptete, theilte uns den Schwank mit: Gerade dem Speiſeſaal ge⸗ genüber wohnt ein alter Junggeſelle, einſam in einem großen öden Haus; er iſt Oberjuſtizrath außer Dienſt, lebt von einer anſtändigen Penſion und ſoll überdies ein enormes Vermögen beſitzen.
„Derſelbe iſt aber ein completter Narr und hat ganz eigene Gewohnheiten, wie z. B. daß er ſich ſelbſt oft große Geſellſchaft gibt, wobei es immer flott hergeht. Er läßt zwölf Couverts aus dem Wirthshaus kommen, feine Weine hat er im Keller, und einer oder der andere unſerer Marqueurs hat die Ehre zu ſerviren. Man denkt vielleicht, er hat allerlei hungrige oder durſtige Menſchen bei ſich? Mit nichten! alte, gelbe Stamm⸗ buchblätter, auf jedem ein großes Kreuz, liegen auf den Stühlen, dem alten Kauz iſt aber ſo wohl, als wenn er unter den luſtigſten Kameraden wäre; er ſpricht und lacht mit ihnen, und das Ding ſoll ſo gräulich anzuſehen
W. Hauffs Werke. VI. 2


