— 32414—
als die frühere Geliebte des Königs, Barbara Palmer, war. Die zurückgeſetzte Favoritin konnte den Gedanken nicht ertragen, einer Fremden nachzuſtehen; ſie hatte deshalb ſelbſt auf die Gefahr hin, den Zorn des Königs zu erregen, dieſelbe Maske gewählt und war ſo unvermuthet erſchienen, um den Kampf der Schönheit mit ihrer Nebenbuhlerin zu beſtehen. Alle Anweſenden, ſowohl die Zuſchauer, wie die mitwirkenden Darſteller wurden durch dieſes unerwartete Schau⸗ ſpiel im Schauſpiel nicht wenig überraſcht. Ihre Augen waren auf Karl gerichtet, der anfänglich voll Erſtaunen nicht zu wiſſen ſchien, ob er über dieſe Improviſation lachen, oder zürnen ſollte.
Während dieſer ſpannenden Scene maßen ſich die beiden ſchönen Feindinnen mit ſtolzen und verächtlichen Blicken. Fräulein von Querouaille verlor indeß die Faſſung nicht und begann im gebrochenen Engliſch das Gedicht vorzutragen. Kaum daß ſie zu Ende gekommen war, ſo repitirte ihrer Seits die frühere Geliebte des Königs einige Verſe, welche der Situation vollkommen angepaßt waren. Es fand ſo ein anmuthiger Wettſtreit ſtatt, ein wahrhafter Kampf der Liebens⸗ würdigkeit und Grazie vor dem ganzen verſammelte Hof, der voll Theilnahme dieſem ſeltſamen Ereigniß folgte.— Endlich erhob ſich der König und unterbrach die ohnehin geſtörte Vorſtellung durch ſein Einſchreiten. Er reichte beiden Damen die Hand und flüſterte jeder von ihnen ein Wort ins Ohr, das halb wie eine Bitte, halb wie ein Befehl erklang. Jetzt näherten ſich die Nebenbuhlerinnen einander und umarmten ſich im Angeſicht des Publikums, das in einen lauten Beifallsjubel ausbrach. Der Friede ſchien wenigſtens für den Augen⸗ blick geſchloſſen, doch im Innern ſchürte die Eiferſucht nach wie vor die lodernden Flammen.
Erſt im Laufe des Abends und im Gewimmel des Feſtes gelang es dem König, ſich von ſeiner früheren Geliebte zu befreien und mit Fräulein von Querouaille ungeſtört zu ſprechen. Dieſe war im Voraus durch Henriette von Orleans über ihre Rolle belehrt. Jede Gunſt, die ſie Karl gewährte, wurde um einen theueren Preis ver⸗ kauft. In einem entlegenen Cabinet lag der König zu den Füßen der Liebesgöttin. Die Glut einer verſchwiegenen Ampel goß ihren roſigen Schimmer über die reizende Geſtalt; aus der Ferne tönten die Klänge einer wollüſtig verführeriſchen Muſik.


