Teil eines Werkes 
17. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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Herr Gott im Himmel! hätte ich dies für möglich gehalten! rief Lichtenſtein. Zweiundvierzig Ritter, zweihundert Knechte, eine feſte Burg und ſie doch ver⸗ rathen! Unſer guter Name iſt beſchimpft; noch in ſpäten Zeiten wird man von unſerem Adel ſprechen, und wie ſie ihr Fürſtenhaus im Stich gelaſſen;das Sprüchwort: treu und ehrlich wie ein Würtemberger, iſt zum Hohn geworden!

Wohl konnte man einſt ſagen, treu wie ein Wür⸗ temberger, ſprach Herzog Ulerich, und eine Thräne fiel in ſeinen Bart.Als mein Ahnherr Eberhard einſt hinabritt gen Worms, und mit den Churfürſten, Grafen und Herren zu Tiſche ſaß, da ſprachen und rühmten ſie viel vom Vorzug ihrer Länder. Der Eine rühmte ſeinen Wein, der Andere ſprach von ſeiner Frucht, der Dritte gar von ſeinem Wild, der Vierte grub Eiſen in ſeinen Bergen. Da kam es auch an Eberhard im Bart.Von Euren Schätzen weiß ich nichts aufzuweiſen, ſagte er,doch gehe ich Abends durch den dunkelſten Wald, und komm ich Nachts durch die Berge und bin müd, matt, ſo iſt ein treuer Würtemberger bald zur Hand, ich grüße ihn und leg mich in ſeinen Schooß und ſchlafe ruhig ein. Deß wunderten ſich Alle und ſtaunten und riefen:Graf Sberhard hat Recht, und ließen treue Würtemberger leben. Geht jetzt der Herzog durch den Wald, ſo kom⸗ men ſie und ſchlagen ihn todt, und leg ich meine Treuen in die Burgen, kaum wende ich den Rücken, ſo handeln ſie mit dem Feind. Die Treue ſoll der Kukuk holen; doch fahre fort, gib mir den Kelch bis auf die Hefen,