116 fürchte ich nicht; er iſt alt und wohl kein ſonderlicher Held, aber der Kalif ſoll ein gutes Schwert führen, und ich traue ihm nicht; es ſchleichen ihm gewiß zehn oder zwölf von der Leibwache nach.“ „Keine Seele,“ entgegnete ihm ein Dritter„Wenn
man ihn je geſehen und erkannt hat bei Nacht, war er
immer nur allein mit dem Weſſir oder mit dem Ober⸗ kämmerling. Heute Nacht muß er unſer ſein, aber es darf ihm kein Leid geſchehen.“
„Ich denke, das Beſte iſt,“ ſprach der Erſte,„wir werfen ihm eine Schlinge über den Kopf; tödten dür⸗ fen wir ihn nicht, denn für ſeinen Leichnam würden ſie ein geringes Löſegeld geben, und überdies wären wir nicht ſicher, es zu bekommen.“
„Alſo eine Stunde vor Mitternacht!“ ſagten ſie zuſammen und ſchieden, der Eine hier hin, der Andere dorthin.
Said war über dieſen Anſchlag nicht wenig er⸗ ſchrocken. Er beſchloß, ſogleich zum Palaſt des Kalifen zu eilen und ihn von der Gefahr, die ihm drohte, zu unterrichten. Aber als er ſchon durch mehre Straßen gelaufen war, fielen ihm die Worte der Fee bei, die ihm geſagt hatte, wie ſchlecht er bei dem Kalifen an⸗ geſchrieben ſei: er bedachte, daß man vielleicht ſeine Angabe verlachen, oder als einen Verſuch, bei dem Be⸗ herrſcher von Bagdad ſich einzuſchmeicheln, anſehen könnte, und ſo hielt er ſeine Schritte an, und achtete es für das Beſte, ſich auf ſein gutes Schwert zu ver⸗ laſſen und den Kalifen perſönlich aus den Händen der Räuber zu retten.
4


