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Ich nahm den Hut und ging, denn ſo ſchnöde war ſie nie geweſen. Ein Freund, der in einer andern Ecke des Zimmers am Klavier geſeſſen, ging mir nach und ſagte, indem er wehmüthig meine Hand ergriff:„Her⸗ zensbruder, mit Deiner Liebe iſt es rein aus auf im⸗ merdar, ſchlage Dir nur gleich alle Gedanken aus dem Sinne.“
„So viel ungefähr konnte ich ſelbſt merken,“ ant⸗ wortete ich.„Der Teufel hole alle ſchönen Augen, je⸗ den roſigten Mund und den thörichten Glauben an das, was Blicke ſagen, was Mädchenblicke ausſprechen.“
„Tobe nicht ſo arg, ſie hören es oben,“ flüſterte er.„Aber ſag' mir um Gottes willen, iſt es denn wahr, daß Du heute die ganze Nacht im Weinkeller gelegen und getrunken haſt?“
„Nun ja und wen kümmert es denn?“
„Weiß der Himmel wie ſie es gleich erfahren hat, ſte hat den ganzen Morgen geweint und nachher ge⸗ ſagt, vor einem ſolchen Trunkenbold, der ganze Nächte beim Wein ſitze und aus ſchnöder Trinkluſt ganz allein trinke, ſolle ſie Gott behüten. Du ſeiſt ein ganz ge⸗ meiner Menſch, von dem ſie nichts mehr hören wolle.“
„So?“ erwiderte ich ganz gelaſſen und hatte ei⸗ niges Mitleiden mit mir ſelbſt.„Nun gut, geliebt hat ſie mich nie, ſonſt würde ſie auch mich darüber hö⸗ ren. Ich laſſe ſie ſchön grüßen. Lebe wohl.“
Ich rannte nach Hauſe und packte ſchnell zuſam⸗ men und fuhr noch denſelben Abend von dannen. Als ich an der Rolandſäule vorüber kam, grüßte ich den


