Teil eines Werkes 
4. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

40

Vorausgeſetzt, daß jene Formen wirklich ſo treff⸗ lich, daß ſie das ſind, was dem zukünftigen Bürger eines Staates vor allem als nützlich und nothwendig einzuimpfen iſt. 5

Das ſoll es ja nicht; aber ſo auf dem Wege mit⸗ nehmen kann er ſie doch wohl, meinte der Fremde.

Wenn er ſie nur ſo mitnimmt, verliert er ſie auch gelegentlich, erwiderte der Schwabe.Doch das iſt nicht der Punkt, wovon wir ſprechen. Ich behaupte nur, man hat in Norddeutſchland Unrecht, unſere Sit⸗ ten und unſere Geſellſchaft nach Leuten zu beurtheilen, die der Geſellſchaft eigentlich noch nicht angehört hatten, die vielleicht in die Welt geſchickt wurden, um ihre Sitten abzuſchleifen. Oder wollten Sie nach einig3en jungen Gelehrten, die gerade aus der Studirſtube zu Ihnen kamen und ſich vielleicht ungeſchickt in Sprache und Manieren zeigten, die Landsleute dieſer Menſchen beurtheilen?

Gewiß nicht, aber geſtehen Sie ſelbſt, man hört doch ſelbſt von der guten Geſellſchaft in Schwaben ſo ſonderbare Gerüchte, von ihren Sitten und Gebräuchen, von ihren Frauen und Mädchen.

Vielleicht kaum ſo ſonderbar, verſetzte der Jäger lächelnd,als man bei uns von den Sitten Ihrer Damen 4 hört; denn unſere Mädchen ſtellen ſich die norddeut⸗ 3 ſchen Damen gewiß immer mit irgend einem gelehrten Buch in der Hand vor. Die zweite Quelle des Irrthums über mein Vaterland ſind aber Ihre reiſenden Lands⸗ leute und die eigenthümlichen Verhältniſſe unſeres Fa⸗ milienlebens. In Norddeutſchland fällt es nicht ſchwer,