Teil eines Werkes 
4. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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und nicht ohne Beſchämung dem Lande und den Bewoh⸗ nern Vorurtheile abbitten, die man in der Ferne vom Hörenſagen, beſonders in einem Alter von vierund⸗ zwanzig Jahren, ſo leicht annimmt.

Wie anders war ihm dieſes Land im Brandenbur⸗ giſchen geſchildert worden! Manche Reiſende hatten zwar dieſe Bergſtraße, dieſes Neckarthal gelobt, doch erſchien dann ihre Beſchreibung matt und klein gegen die Wunder der Schweiz, zu welcher ſie auf dieſer Straße geeilt waren. Über die Bewohner war aber in. ſeiner Heimath nur eine Stimme. Hier, bald hinter Darmſtadt, fangen die Schwaben an, erzählte man dem jungen Reiſenden in Berlin, mit einem mitleidigen Blick auf die Karte, mit einem noch mitleidigeren auf ihn, der dieſe Länder beſuchen wolle. Da geht alles ge⸗ ſellſchaftliche Leben, alle Bildung aus; ein rohes, un⸗ geſittetes Volk, das nicht einmal gutes Deutſch ſprechen kann. Und leider nicht nur die unterſten Klaſſen leiden an dieſem Mangel, auch die beſſeren Stände haben einen Anſtrich von eingeſchränktem, ungalantem Weſen, und reden ſo elendes Deutſch, daß ſie vor Fremden, um nicht erröthen zu müſſen, Franzöſiſch ſprechen; Das war der Reiſepfennig, den man ihm nach Schwa⸗ ben mitgab, und in dem jungen und romantiſchen Kopf des jungen Brandenburgers hatten dieſe Sagen ſich endlich während der ſchönen Muße, die ihm die Sand⸗ kunſtſtraßen und die ſchnapſenden Poſtillons ſeines Vaterlandes gönnten, ſo ſonderbar geſtaltet, daß er ſich ſelbſt wie einer jener wohlerzogenen, jungen Herren in einem Seottiſchen Roman erſchien, die von den weh⸗

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