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„Hüon,“ ſagte der Alte,„er war Hüon. Wohl hat er den Ungläubigen die Backenzähne ausgezogen und vergebens kämpften ſie gegen meinen edlen, jugend⸗ lichen Paladin; aber ſein Geſchick wollte, er ſollte Hüon ohne Rezia ſein.“
Noch einmal öffnete ſich die Thüre und ſpie, wie das Thor im Löwengarten des König Franz, zwei Leo⸗ parden auf einmal aus. Es waren der Hofrath und der dramatiſche Profeſſor, die hereinſtürzten.„Wo iſt er?“ riefen ſie.„Vergeſſen ſei alle Fehde! Wir hatten ja einen ganz Andern im Verdacht, der Autor dieſes Romans zu ſein. Darum, gewiß nur darum haben wir ihn gehauen. Ins Freitagskränzchen ſoll er kom⸗ men, Mitarbeiter ſoll er werden am belletriſtiſchen Vergnügen! Den Zundler ſoll er uns erſetzen, der treffliche Hüon.“ So ſchrieen ſie durcheinander, aber mit Hohn und Verachtung blickte ſie der Alte an.„Ihr findet ihn nicht mehr,“ ſagte er.„Er iſt hinweg für immer.“
„Hat er etwa einen Ruf bekommen?“ rief der Pro⸗ feſſor.
„Ha!“ rief ihm der Hofrath nach,„das iſt ja wohl Zundlers räthſelhafter Magiſter. Herrlicher Fund! Wir zahlen zehn Thaler per Bogen, Werthgeſchätzter. Arbeiten Sie mit an unſerem Blatt, was Sie wollen. Gedichte, Novellen, Recenſionen, Kunſtgefühle, wir nehmen Alles auf!“.
„Zurück!“ entgegnete der alte Mann mit mehr Hoheit, als ihm Rempen zugetraut hatte.„Ich habe einen Freund verloren, eine große ſchöne Seele, und


