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gißmeinnicht der Augen, und zrdoſtenwum auf die kalten Schluͤſſel.
„Guten Morgen, Nichte! da biſt du ja nun!“ ſagte die Raͤthinn mit herzhaftem Gruße, einem Anfluge von Ruͤhrung wehrend:„was weinſt Du denn? iſt Dir Angſt? Du wirſt keine Noth bei mir haben, als die Du Dir ſelbſt machen moͤgteſt. Es it alles vergeben und vergeſſen.“
Das Maͤdchen hob die thraͤnenden Augen, ſtrahlend in Unſchuld, zu der Tante auf, da dieſe von Vergeben und Vergeſſen ſprach.„Ich bitte um Ihre Liebe, Tante! und will die Guͤte, womit Sie Sich meiner annehmen, zu verdie⸗ nen ſuchen!“ antwortete es nicht ohne Selbſt⸗ gefuͤhl, wenn auch noch immer ſehr bewegt.
„Meine Liebe“— ſprach die Raͤthinn, und der Ton, den dieſe Worte anſchlugen, ſchwankte zwiſchen Abweiſung und Klage, zwi⸗ ſchen Bitterkeit und Schmerz:„die ruht im Grabe! Sieh, dort haͤngt meiner Agnes Bild! Sie iſt zum Sprechen getroffen. Geſtern vor zehn Monaten ſtarb ſie; es war ein harter


