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Tante und Nichte
Entstehung
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muͤths, das Geheimniß des Charakters offen⸗ bare, ſo konnte dieſer junge Mann niemals ei⸗ nes beſſeren Empfehlungsbriefes maͤchtig werden, als den der Schlaf mit weichen Zuͤgen in die Umriſſe ſeines offenen Geſichts ſchrieb. Eine heitere Sorgloſigkeit ſchien dieſe Augenlieder ge⸗ ſchloſſen zu haben, unter denen die Geſundheit bluͤhete, ein humoriſtiſches Laͤcheln, vielleicht ein luſtiger Traum! ſpielte um den halbgeoͤffne⸗ ten Mund, der ruhig athmete. Der Wellen⸗ ſchlag des Blutes bewegte in ſichtbarem Tacte die feine, weiße Weſte des Juͤnglings, der ſein Haupt voll uͤppiger, brauner Locken ganz un⸗ bekummert der Eleganz des Wagenfutters an⸗ geſchmiegt hatte. Eine bunte, ſeidene Troddel ſtreifte koſend an ſeine Stirne, auf der auch nicht ein einziges Faͤltchen des Kummers zu ſe⸗ hen war. Das Maͤdchen ſtand, leiſeathmend aus tiefer Bruſt, in den Anblick des Schlaͤfers verlohren, uͤber den es Phaetons Bild vergaß. Den Ring an ſeiner Hand, ein, fuͤr die Weib⸗ lichkeit ſtets bedeutſames Zeichen haͤtte es gerne erkennen moͤgen; allein der Sonne ſchraͤ⸗