Druckschrift 
Der Colibri und Die Ruine : zwei Erzählungen / von Henriette Hanke, geb. Arndt
Entstehung
Einzelbild herunterladen

6

gottes auf Liebe gegründet, und die Geiſter ſei⸗ ner Nähe führten ein ſeliges Leben im Chor. Der alternde Fürſt liebte die Muſik und das Theater mit einer Leidenſchaft, die ihn beherrſchte wie verjüngte, und der ſeine übrigen einfachen Bedürfniſſe durchaus untergeordnet waren. Der Seſ enthielt eine ſtehende Bühne, auf welcher von Ifflands häuslichen Scenen an, der drama⸗ urgiſche Geſchmack gewechſelt hatte; nur der

ihres Protektors an dieſem Vergnügen war ſich

ſtets gleich geblieben. Ein mimiſches Talent galt dem Fürſten für Verdienſt, eine ſchöne Stimme dünkte ihm ein Vorzug, dem jede Huldigung ge⸗ bühre. Die fürſtliche Capelle war berühmt. Er ſparte keinen Aufwand für dieſen Lieblingszweck, und die reichen Einkünfte ſeiner Apanage und Präbende floſſen zumeiſt den goldnen Wellen der Töne zu, und in den goldnen Wein, den die Ton⸗

künſtler tranken. Dieſe Neigungen hatten den Fülſten, der

von ſchwächlicher Conſtitution und einer ſanften

Natur war, ſehr weich geſtimmt, und ſeine ein⸗ asora Humanität zu der zuteſten Reizbarkeit