— 30—
dacht eines ſo niedrigen Verbrechens zu ſtehen, und...
„Unſchuld,“ unterbrach ihn der Protektor, „trägt eine Hülle von ſo reinem Lichte, daß ſie ſelbſt durch die tiefſte Nacht durchſcheint, wie auch die Eure, wenn Ihr unſchuldig ſeyd, ohne Zweifel thun wird. Wißt Ihr, wie die ſchöne Jüdin in den Beſitz dieſes Bildes gekommen iſt? Freilich muß ich Anſtand nehmen, ſelbſt dann Uebles von Euch zu denken, wenn Ihr es ihr wirklich gegeben habt, da es ja ein Geſchenk rei⸗ ner freundſchaftlicher Zuneigung ſeyn kann, ob⸗ gleich die Welt, die harte, ſehnellverurtheilende Welt Euch um deſſetwillen verdammen möchte. Aber wir haben ſelbſt zu viel unter ihren fal⸗ ſchen Ausſprüchen gelitten, um nicht Milde ge⸗ gen andere zu lernen. Freundſchaft, lautere, auf⸗ richtige Freundſchaft kann zwiſchen Mann und Weib in unſerm vorgerückten Alter, ja ſelbſt in
jüngern Jahren beſtehen. Warum auch nicht? Da
nun das Bild vortrefflich gemalt iſt, und die junge Lady vielleicht ſich in dieſer nutzloſen Kunſt vervollkommnen mochte, ſo könnt Ihr es ihr zum Studieren geliehen haben, oder auch...“ „Ich habe es ihr gewißlich nicht gegeben,“
antwortete Burrell;„aber ich erinnere mich dun⸗
kel, es ihr mit einigen andern Flamändiſchen Bil⸗


